Archiv des Pilecki-Instituts

Idee

Im Archiv des Pilecki-Instituts sammeln wir digitalisierte Dokumente und machen sie zugänglich. Diese Dokumente beschreiben durch zwei Totalitarismen geprägte Schicksale polnischer Bürger*innen im 20. Jahrhundert. Wir akquirieren Digitalisate von Dokumenten, deren Originale sich in den Bibliotheken vieler polnischer und ausländischer Institutionen befinden: im Bundesarchiv, in den United Nations Archives, den britischen National Archives, den polnischen Staatsarchiven u. a. Wir bauen ein Wissenszentrum auf und gleichzeitig ein Zentrum zur komplexen Erforschung des Zweiten Weltkrieges und der doppelten Besatzung in Polen. Wir richten uns an Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Kulturschaffende, Familien der Opfer und Zeugen von Gräueltaten sowie an alle, die sich für Geschichte interessieren.

Das Pilecki-Institut realisiert ein komplexes Archivprogramm und digitalisiert Quellen in einem sehr breiten Umfang. Wir sammeln an einem Standort wesentliche Dokumente, um die Erforschung der polnischen Erfahrungen und Konfrontation mit zwei Totalitarismen im 20. Jahrhundert voranzutreiben. Insbesondere fokussieren wir uns auf den Zweiten Weltkrieg. Historiker, die diese Dokumente im Original einsehen möchten, müssten viele Einrichtungen in mehreren europäischen Staaten besuchen: in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien. Auch ein Besuch in den USA würde dazugehören. In unserem Archiv befinden sich Beweise sowohl für die deutschen als auch für die sowjetischen Gräueltaten. Die Stimmen polnischer Bürger*innen, die Opfer und Zeugen von zwei Totalitarismen waren, werfen ein neues Licht auf die von dem Terrorapparat der beiden Regime erstellte Dokumentation. Die ersten Versuche, Verbrecher zu Rechenschaft zu ziehen, unternahmen noch während des Krieges der polnische Untergrundstaat und die polnische Exilregierung, deren Berichte mit Unterlagen der Gerichtsverfahren, die nach dem Krieg in Polen und im Ausland geführt wurden, konfrontiert werden. Versucht man die polnischen Zeugnisse im Ausland bekannt zu machen, muss man vor allem ihren Wert als historische Hauptquellen des 20. Jahrhunderts unterstreichen – insbesondere zum Zweiten Weltkrieg und zu den totalitären Regimes. Unser Archiv ermöglicht weitere Reflexionen und Inspirationen – polnische und ausländische Wissenschaftler*innen sind bei uns herzlich willkommen.

Wir sind der Ansicht, dass es noch viel über die Schicksale des polnischen Staates wie auch der einzelnen Polinnen und Polen während des Zweiten Weltkrieges zu erzählen gibt. Ausländische Archivbestände warten noch immer auf die Untersuchung und Konfrontation mit den Quellen, die – obwohl über verschiedene Einrichtungen verstreut – in Polen vorhanden sind. Als Institution, die zum Zweck der interdisziplinären Reflexion über die wichtigsten Fragen des 20. Jahrhunderts und vor allem über die Erfahrung zweier Totalitarismen geschaffen wurde, unternehmen wir daher Maßnahmen zur Sicherung und Verbreitung dieses Erbes.

 

Unsere Sammlung

Das digitale Archiv des Pilecki-Instituts ist ein Wissenszentrum über die Schicksale Polens und seiner Staatsbürger*innen im 20. Jahrhundert – insbesondere während des Zweiten Weltkrieges und unter zwei totalitären Regimen. Das Hauptthema unserer Sammlung sind Schicksale polnischer Staatsbürger*innen, die unter der deutschen und sowjetischen Besatzung litten, sowie Verbrechen der beiden totalitären Regime. Die meisten Dokumente schildern, wie nach dem Krieg mit den Verbrechen der totalitären Regime abgerechnet wurde und welche Versäumnisse dabei zum Vorschein kamen.

Die akquirierten Dokumente stammen aus polnischen und ausländischen Institutionen, staatlichen Archiven, Organisationen der Zivilgesellschaft sowie von Privatpersonen. Das Pilecki-Institut ist die einzige Einrichtung in Polen und die dritte in der Welt (neben der Wiener Library in London und dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington), die die Unterlagen der Kommission der Vereinten Nationen zur Ahndung von Kriegsverbrechen (UNWCC) zugänglich machen darf. Sie zeugen von der deutschen Besatzungspolitik in Polen, darunter dem Verbrechen des Holocaust. Wir sind die einzige Institution in Polen, die über digitale Kopien der Bundesarchivbestände verfügt. In diesen Dokumenten werden der deutsche Terrorapparat im besetzten Polen und seine Struktur beschrieben. Darüber hinaus haben wir Prozessakten aus Verfahren gegen NS-Verbrecher, die nach dem Krieg in Westdeutschland geführt wurden (Bestände des Bundesarchiv-Dienstortes in Ludwigsburg). Wir arbeiten u. a. mit Archiven in der Schweiz, in Frankreich und in der Ukraine sowie mit vielen polnischen Einrichtungen zusammen und vergrößern ständig unsere Archivbestände.

In unserem Archiv befinden sich audiovisuelle Aufnahmen, die im Rahmen des seit 2018 vom Pilecki-Institut realisierten Projekts „Zeugen einer Epoche“ entstanden sind. Es handelt sich hierbei um ein komplexes, ständig aktualisiertes Oral-History-Archiv. Es beinhaltet Aufnahmen von Zeugenberichten. Das Schicksal dieser Personen war mit den tragischen Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs verflochten oder sie wurden später in Polen von kommunistischen Machthabern unterdrückt.

Eine wichtige Ergänzung des Archivs des Pilecki-Instituts ist die Internet-Datenbank „Chronicles of Terror“ (ZapisyTerroru.pl). Es ist eine der größten Sammlungen von Zeugnissen der Zivilbevölkerung im besetzten Europa. In der Internetdatenbank veröffentlichen wir Berichte von Zeitzeugen und Opfern der zwei totalitären Regime. Es handelt sich dabei vor allem um Vernehmungsprotokolle von Zeugen, die vor der Hauptkommission für die Erforschung deutscher Verbrechen in Polen (Główna Komisja Badania Zbrodni Niemieckich w Polsce) ausgesagt hatten. Die Originale werden im polnischen Institut für Nationales Gedenken (IPN) aufbewahrt. In dieser Sammlung befinden sich auch Berichte von Soldaten und Zivilisten, die die Sowjetunion mit der polnischen Anders-Armee verlassen hatten, sowie weitere aus der Hoover Institution. All diese Zeugnisse waren bisher in Archiven verstreut und verschlossen. Heute erreichen sie einen breiten Kreis von Empfänger*innen. Sie ermöglichen es, familiäre und lokale Geschichten zu entdecken und die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Kulturschaffenden auf sich zu lenken. Durch ihre Übersetzung ins Englische erreichen sie auch Empfänger*innen aus dem Ausland, popularisieren somit in der ganzen Welt das Wissen über die doppelte Besatzung Polens und über die Opfer des Totalitarismus.

 

Wie kann das digitale Archiv benutzt werden?

Im digitalen Archiv befinden sich Dokumente, Filme, Bücher, Zeitschriften und Fotos, die eingesehen werden können. Es sind Millionen von gescannten Dokumenten, Tausende Stunden audiovisuellen Materials, Hunderte Fotos. Unsere Bestände werden ständig ausgebaut.

Alle Objekte wurden genau beschrieben. Das komplexe System von Schlag- und Schlüsselwörtern ermöglicht es, schnell die gesuchten Inhalte zu finden. Mithilfe der Volltextsuchmaschine werden sowohl Beschreibungen als auch Inhalte der Dokumente durchsucht.

Das Schriftgut in unserem digitalen Archiv wird in der Originalsprache präsentiert. Die Beschreibungen hingegen sind auf Polnisch, sie enthalten aber auch die Originalnamen der Bestände, Serien oder Titel der einzelnen Archiveinheiten. Dies erleichtert die Navigation durch die Sammlung. 

Unter den Tabs „Archivgut“ und „Archive“ können Sie im Hauptmenü nach der entsprechenden Kategorie suchen. Die Gliederung erfolgt zuerst nach dem Typ: Dokument, Film, Foto, Buch usw. Unter dem Tab „Archive“ finden Sie den Index der Herkunftsarchive unserer Dokumente. Zusätzlich wird Ihnen bei der Suche die hierarchische Gliederung in Bestände und Archiveinheiten behilflich sein.

Das Internetportal archiwum.instytutpileckiego.pl präsentiert unseren Bestandskatalog im vollen Umfang. Sie können in unserer Sammlung eine Volltextsuche durchführen. Sie finden ebenfalls volle Beschreibungen der Objekte. Die Inhalte der einzelnen Dokumente können Sie jedoch nur in den Lesesälen der Bibliothek des Pilecki-Instituts in Warschau und Berlin einsehen.

 

Bibliothek

Alle Personen, die unsere Bestände nutzen möchten, laden wir in den Hauptsitz des Pilecki-Instituts, ul. Foksal 17 in Warschau ein. Die Bibliothek ist von Montag bis Freitag von 9.00 bis 15.00 Uhr geöffnet. Bitte melden sie sich vor Ihrem Besuch per E-Mail: czytelnia@instytutpileckiego.pl oder telefonisch unter der Nummer (+48) 22 182 24 75 an.

In der Berliner Zweigstelle des Pilecki-Instituts befindet sich die Bibliothek am Pariser Platz 4a. Sie ist von Dienstag bis Freitag von 10.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Ihr Besuch ist nach vorheriger Anmeldung möglich, per E-Mail: bibliothek@pileckiinstitut.de oder telefonisch unter der Nummer (+49) 30 275 78 955. 

Sollten Sie Hilfe brauchen oder Fragen zu unserem Internetkatalog haben, helfen Ihnen gerne die Mitarbeiter*innen unseres Instituts. Wenden Sie sich auch an sie, wenn Sie Archivgut mit beschränktem Zugang einsehen möchten.

Das gesamte Archivmaterial ist öffentlich zugänglich an den mit PCs ausgestatteten Arbeitsplätzen der Bibliothek. Teilweise ist die Nutzung unserer Bestände, z. B. der Dokumente aus dem Bundesarchiv oder aus der Stiftung Zentrum KARTA, nur beschränkt möglich – dies hängt mit den Verträgen zwischen unserem Institut und der jeweiligen Institution zusammen. Nach ihrer Ankunft in der Bibliothek erfüllen Sie bitte die erforderlichen Formalitäten und unterzeichnen das entsprechende Erklärungsformular. Nur dann erhalten Sie den Zugang zum Inhalt des gewünschten Dokuments. Informationen zur Nutzungsbeschränkung sind in der Benutzungsordnung der Bibliothek zu finden. Wir empfehlen Ihnen, sich vor ihrem Besuch mit dem Umfang und Aufbau unserer Archiv-, Bibliotheks- und audiovisuellen Bestände sowie mit der Besucherordnung und den Nutzungsbedingungen der Sammlung vertraut zu machen.

Kontakt

Adresse

Archiwum Instytutu Solidarności i Męstwa im. Witolda Pileckiego ul. Foksal 17 00-372 Warszawa

Öffnungszeiten

Mo. - Fr. 9:00 - 15:00 Uhr

Telefon

(+48) 22 182 24 75

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